QR-Codes: Was steckt hinter dem Fleck?

Man sieht ihn auf Werbeplakaten, Flyern oder auch in Zeitungen – den Quick-Response-Code, den meisten bekannt als QR-Code. Was anfänglich für viele wie ein unleserlicher Fleck aussah, ist mittlerweile zu einem vielversprechenden Service geworden und hat es sogar schon auf den einen oder anderen Grabstein geschafft. 

Der gestrickte QR-Code des Kölner Ladens "Maschenkunst"

Der gestrickte QR-Code des Kölner Ladens ,Maschenkunst‘. Bild Daniela Johannsenova

Angefangen hat alles in Japan. Dort entwickelte 1994 der Automobilzulieferer Denso Wave die zweidimensionalen Strichcodes. Sie sollten der Markierung von Baugruppen und als Komponenten für die Logistik der Automobilproduktion dienen – mit ihrer Hilfe konnten mehr Informationen auf kleinerer Fläche untergebracht werden. Das Besondere: Die Codes ließen sich sogar dann scannen, wenn sie verschmutzt oder teilweise beschädigt waren. Und das in einer Zeit, in der von Smartphones noch gar keine Rede war.

QR-Codes wecken die Neugier der Menschen

Seitdem ist der QR-Code auf Werbeplakaten nicht mehr wegzudenken – und das nicht nur im Geburtsland Japan. 2007 schwappte die Welle auch zu uns über. Bei der „Spex – Magazin für Popkultur“ landete der QR-Code sogar auf dem Titelblatt. Die Schlagzeile „Was sagt uns dieser Code?“ war darauf zu lesen. Der Code wird mit der Kamera des Smartphones oder Tablets eingefangen, eine Lesesoftware erkennt den Code und ermöglicht eine Weiterleitung an eine Webadresse mit Informationen. Heute setzen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen die Codes ein. In der Werbebranche werden QR-Codes benutzt, um Kommunikation mit Information zu vereinen. Ziel dabei ist es vor allem, Informationen an die Käufer weiterzugeben. 2011 führte die „Welt kompakt“ als erste Zeitung überhaupt QR-Codes ein. Die darin verborgenen Webadressen gaben weitere und ausführlichere Informationen zu den einzelnen Artikeln preis, in denen sie platziert wurden.
Auch Nicole Russi von der Agentur „russidesign“ in Köln entwickelt und verwendet QR-Codes für ihre Projekte. „Das Schöne daran ist, dass man hinter den Codes so viel verstecken und die verschiedensten Verlinkungen machen kann – egal ob zu einem Bild, Video oder einfach einer Webadresse.“ Zudem spielt der Zeitfaktor auch eine wichtige Rolle. „Es geht darum, unterwegs schnell Informationen aufzunehmen. Wenn ich im Bus oder Auto sitze und ein Plakat sehe, das mich anspricht, muss ich nur den Code scannen und erhalte innerhalb von wenigen Sekunden die gewünschten Informationen.“ Dass die Matrix für das menschliche Gehirn nicht lesbar ist, stellt für Russi sowohl einen positiven als auch einen negativen Aspekt dar. „Natürlich weckt es die Neugier der Menschen: Sie sehen einen QR-Code und wollen dann auch wissen, was sich dahinter verbirgt. Andererseits wird man aber auch außen vor gelassen, der User bleibt vorerst im Dunkeln.“

Ein gestrickter QR-Code als Marketingstrategie

Für Medien-Gestalter Alexander Becker sind die größten Einsatzbereiche der QR-Codes Werbung und Service. „Manche Autohersteller drucken beispielsweise gar keine Bedienungshandbücher mehr, sondern verwenden auch hier die Codes, um den Kunden mehr Informationen bieten zu können.“ Generell kann man sagen, je größer die Codes sind, desto mehr Informationen können hinterlegt werden. „Für viel Text werden mehr Pixel Code benötigt. Entsprechend größer muss der QR-Code dargestellt werden.“ Er selbst hat schon eine ganze Wand mit einem einzigen QR-Code geschmückt. Mit einer kleinen Software, den sogenannten „QR-Generatoren“, kann jeder seine eigenen Codes herstellen. Im Internet gibt es viele Anbieter, die eine solche Software kostenlos zur Verfügung stellen.

Der QR-Code führt auf die Startseite dieser Website.

Auf eine witzige und ausgefallene Marketingstrategie kam Daniela Johannsenova, Inhaberin vom Kölner Wollatelier „Maschenkunst“: Sie strickte einen überdimensional großen QR-Code und hing ihn in das Schaufenster des Geschäfts. Die Verlinkung führte auf das Blog von „Maschenkunst“. Hier können sich Kunden und Strickbegeisterte über Anleitungen oder Wolle informieren und diese auch gleich bestellen. Die Kunden nahmen diese Idee mit großer Begeisterung auf und schon nach kurzer Zeit waren Facebook, Twitter und Co. voll von Bildern des Strick-Codes.
Andreas Rosenkranz, Bildhauer- und Steinmetzmeister aus Köln, fräst QR-Codes in Grabsteine ein. Wird der Code eingescannt, so erscheint ein bis zu 160 Zeichen langer Text, ein Wikipedia-Eintrag oder eine eigens für den Verstorbenen eingerichtete Trauerseite. Vor allem bei Urnenbestattungen ist dieses Zusatzangebot begehrt, denn „auf eine Urne passt ja nicht viel mehr als Name, Geburts- und Sterbedaten“. Nicht er hat den „Grabstein 2.0“ ins Leben gerufen, vor ihm kamen Japaner, Schweden und Amerikaner auf diese Idee. Diese jedoch frästen den Code in Metallplatten, welche wiederum auf die Grabsteine geklebt wurden. So wollte Rosenkranz nicht vorgehen. Für ihn war es nicht nur ein gestalterisches Gräuel, sondern eine Banalisierung des Grabmals, die einer Preisauszeichnung gleichkommt, die leicht entfernbar, austauschbar und manipulierbar ist. 2011 begann er damit, QR-Codes als digitale Transmitter dauerhaft und witterungsresistent direkt in Naturstein einzuarbeiten. Wichtig ist ihm, „dass die Internetinhalte dem Rahmen entsprechen sollen“. Die Anfragen für solche Grabmäler werden immer mehr, schließlich wird „in der heutigen Welt der Toten nicht mehr nur auf dem Friedhof gedacht – sondern eben auch immer mehr im Internet“.
Die Zukunft der QR-Codes sieht Experten zufolge nicht gerade rosig aus – Nachfolger stehen schon in den Startlöchern. Vor allem im Hinblick auf Augmented Reality, der computergestützten Erweiterung der Realitätswahrnehmung, wird es noch einige Weiterentwicklungen geben. Ganz aussterben wird der QR-Code aber mit Sicherheit nicht.

Anna Peter